Lufthansa wirft Mercedes raus

Der Hon-Circle ist die exklusivste Klientel der Lufthansa. Die Vielflieger der Sonderklasse werden in Frankfurt mit den Gästen der First Class an einem eigenen Terminal betreut. Und sie müssen in Frankfurt oder München nicht zum Flugzeug laufen, sondern werden an die Maschine chauffiert. In welchem Auto, ist nicht ganz unerheblich im Sinne von Ansehen und Reputation.

Holger Appel

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

Bislang geschieht das in S- und V-Klassen von Mercedes und in den Porsche-Modellen Panamera und Cayenne. Wie es sich als fortschrittlicher Konzern gehört, setzt die Lufthansa die S-Klasse auch als Hybridversion ein. Damit ist es nun vorbei. Nach Informationen der F.A.S. werden die S-Klassen nicht mehr verwendet, und auch die V-Klassen werden verbannt.

Über die Gründe gehen die Angaben auseinander. Aus den Tiefen des Gewerks wird berichtet, an den im ständigen Kurzstreckeneinsatz gestressten S-Klassen sei der Hybridantrieb oft überfordert gewesen, was offenbar auch die Starterbatterie in Mitleidenschaft zieht, die Fahrer hätten häufig Starthilfe benötigt. Nun sei es genug mit dem Ärger.

 Operationelle Gründe

Stimmt das, wäre es nicht nur für den Hon-Circle misslich, sondern für die ganze Idee des an der Steckdose aufladbaren Hybridantriebs, denn gerade auf kurzen Strecken in der Stadt soll er ja in den Händen von Otto-Normalverbraucher seine elektrischen Stärken ausspielen. Außerdem quietschten die strapazierten Sitze der S-Klassen, heißt es weiter, das sei der honorigen Kundschaft nicht länger zuzumuten. Alle 108 S-Klassen hat die Lufthansa dem Vernehmen nach ausgemustert.

Mercedes-Benz sieht die Trennung anders. Ein Sprecher sagte, Mercedes habe das Sponsoring des Hon-Circles eingestellt, das Unternehmen wolle die Kosten nicht länger allein tragen. Darüber sei mit der Lufthansa keine Einigkeit erzielt worden, weshalb der Vertrag per Ende März ausgelaufen sei. Dem Vernehmen nach summiert sich der von Mercedes getragene Betrag allein seit der letzten Verlängerung 2013 auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag.

Die Lufthansa mag sich auf Anfrage dazu nicht erhellend äußern, dementiert aber auch nicht, fortan komplett auf Modelle aus dem Volkswagen-Konzern umzustellen. Hier kommen auch operationelle Gründe ins Spiel. Nur ein Hersteller mit nur einem Kundenservice verspricht niedrigere Kosten. Die S-Klassen werden durch noch mehr Cayenne und Panamera ersetzt.

Und für Transportaufgaben, die vornehmlich Kleinbusse verrichten können, verlässt sich die deutsche Airline künftig auf T6, also auf den VW Bus. Wer wie viel für die für beide Seiten attraktiv erscheinende Kooperation bezahlt, ist geheime Kommandosache. Der Hon-Circle der Lufthansa ist jedenfalls künftig vollständig in Wolfsburger Hand.

Источник: Corruptioner.life

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